Mal wieder ein Spiel mit einem neuem Trainer. Mirko Slomka wurde am Montag nach der Niederlage bei Hannover 96 beurlaubt und Josef “Joe” Zinnbauer wurde auf unbestimmte Zeit von der Leitung der zweiten Mannschaft (ungeschlagener Tabellenführer der Regionalliga Nord) befreit und zum Übungsleiter des ersten Teams (torloser Tabellenletzter der ersten Bundesliga) ernannt. Lewis Holtby war sich nicht zu doof schon nach wenigen Trainingseinheiten das übliche Dumm-Bla-Bla von “man kann schon die neue Handschrift des Trainers erkennen” von sich zu geben (nachdem er selber nur zwei Wochen unter Slomka trainiert hat) und dann kamen auch schon die Bayern in den Volkspark, um sich ihre Punkte abzuholen.
Naja, letzteres hat nur zu einem Drittel geklappt.
Was die Handschrift des Trainers angeht, so halte ich dies wie geschrieben für Blödsinn. Ich glaube nicht daran, das ein Trainer in 5 Tagen taktische Meisterleistungen vollbringen kann, die die Spieler sofort drauf haben. Er kann aber erkennen, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist, welches System den Spielern liegt und welche Spieler miteinander harmonieren. Daran anknüpfend kann er eine Elf zusammenstellen, die gegen Bayern für solides und konzentriertes Defensivverhalten sorgt und eventuelle Konter, denn zu mehr reicht es gegen die Bayern aktuell nicht, setzen kann.
Genau das ist es was ich gesehen habe. Und es ärgert mich auch ein wenig, denn all das was wir gegen die Bayern gesehen haben muß auch vorher im Team gesteckt haben. Sowas lernt man nicht in 5 Tagen.
Natürlich ist es blinder Aktionismus von Slomka gewesen sieben neue Spieler gegen Hannover spielen zu lassen, zumal einige von diesen gerade erst wenige Tagen zuvor zum Klub gewechselt sind und es gar nicht miteinander funktionieren kann. Vielleicht war das eine Trotzreaktion auf die Aussagen Gernandts (die genauso unprofessionell waren, wie die offenbare Reaktion darauf), den neuen Spielern eine Chance zu geben und “ein Maximum an mutigen Entscheidungen” zu treffen. Man weiß es nicht, es liegt allerdings nahe. Genauso wie es fast zu erwarten war, das Slomka diese Saison so oder so nicht überlebt. Allerdings hätte man meiner Meinung nach eher gar nicht erst mit ihm in die neue Saison gehen dürfen. Einen Trainer nach 3 Spieltagen zu entlassen ist meiner Meinung nach großer Quatsch.
Wie dem auch sei. Die Bayern waren zu Gast und nahmen von Anfang an das Zepter der Spielführung in die Hand. Was allerdings ausblieb waren die zahlreichen Sturmangriffe auf das Tor des HSV, in dessen Kasten mal wieder Drobný statt Adler stand, wie man es zuletzt beim Auftreten der Münchener in Hamburg gesehen hatte. Die Defensive stand gut und ließ keine nennenswerten Chancen zu, im Gegenzug versuchte der HSV sich an dem einen oder anderen Konter, der aber häufig schlampig zu Ende geführt wurde.
Mit viel Applaus ging es in die torlose Halbzeit. Es war die berühmte Reaktion die man nach dem letzten Heimspiel sehen wollte und die Ränge dankten es mit so viel Stimmung, wie es ohne die CFHH wohl möglich ist.
In der zweiten Hälfte machten die Bayern dann erwartungsgemäß mehr Druck es entwickelte sich mehrere gefährliche Situationen, aber Drobný war der gewohnt starke Rückhalt und vor allem Westermann glänzte mit einem überragenden Spiel in der Innenverteidigung. Die Mannschaft war mit einer guten Mischung aus “alten” und “neuen” Spielern aufgelaufen und es lief mehr zusammen als zuletzt. Holtby zeigte was in ihm steckt und auch Müller wusste zu gefallen. Wie ausgewechselt, obwohl er spielte, wiederum Behrami, der so giftig und bissig war, wie man es in so einer Partie muß. Im Großen und Ganzen empfand ich das Spiel als eine logische Fortsetzung aus dem Köln-Spiel, bei dem die Defensive ähnlich gut stand.
Diese konzentrierte, disziplinierte Arbeit aller Mannschaftsteile wurde letztendlich zurecht mit einem Punkt belohnt, denn es war nicht nur stupides Mauern das wir gesehen haben.
Was war sonst noch?
Ach ja. Der Peruaner hat zum ersten Mal seit immer (zumindest fühlt es sich so an) NICHT gegen die Rothosen getroffen. Dieser Fluch wurde nebenbei also auch noch gebrochen. Und Tanja, die vorher angekündigt hatte das sie wenn Drobný spielt und die Begegnung ohne Gegentor beendet, sich ein Trikot der Nummer Eins im HSV-Tor holen wird, stand nach Abpfiff mit einer kleinen blauen Papiertüte des HSV-Fanshops bei Knappis und trank grinsend ihr Bierchen.
Mittwoch geht es dann im Rahmen der Englischen Woche nach Mönchengladbach. Wenn Zinnbauer es wieder schafft das Team auf die gleiche Art zu motivieren, wie es gegen die Bayern offenbar geklappt hat, dann sollte es von dort auch einen Punkt nehmen können. Vielleicht belohnt es diese Leistung dann auch mal mit einem Tor, wer weiß?
