Ich glaube kaum, das ich dies schreiben muß, aber ich war ein wenig enttäuscht vom Gegner des HSV. Die Mannschaft aus der Gegend um und bei Sinsheim hatte sich zur neuen Saison nicht nur exzellent verstärkt (Baumann, den ich für einen wirklich guten Torwartn halte, und Szalai seien hier exemplarisch genannt), sie waren auch gut in die Saison gestartet und kamen (die Ergebnisse des Sonnabends mal nicht mitgezählt) als Tabellenzweiter nach Hamburg. Ich habe keines ihrer Spiele in seiner Gänze gesehen und kann mich nur auf Zusammenschnitte berufen, aber das war alles sehr beeindruckend.
Gestern spielten sie im Volkspark beim Tabellenvorletzten, den sie an gleicher Stelle in der letzten Saison reichlich demütigten. Doch der erfreuliche Aufwärtstrend des HSV hielt weiterhin Bestand – ich sah eine Mannschaft, die sich von Anfang an bemühte zu zeigen, wer der Hausherr ist und das endlich der erste Dreier im heimatlichen Rund gelingen sollte; einen tabellarischen Unterschied sah man nicht.
Dies ist vor allem ein Zeichen für die gute Arbeit von Joe Zinnbauer, der es wohl endlich geschafft hat der Mannschaft diszipliniertes Spiel beizubringen. Fehler gab es trotzdem, doch wenn man so viel nach vorne spielt, bleibt dies wohl kaum aus. Holtby, der insgesamt schwach war, verlor den Ball im Vorwärtsgang und die TSG schaltete blitzschnell – Modeste war die zweite Station nach dem Ballverlust und netzte gekonnt ein.
Die Mannschaft ließ sich davon aber nicht unterkriegen, sondern spielte einfach weiter, was auch belohnt wurde. Das 1:1 durch Lasogga war schön herausgespielt und sehr selbstsicher abgeschlossen; das Tor in Dortmund hat ihm sichtlich gut getan, er wirkte weniger bemüht-verkrampft wie in den Spielen zuvor.
Positiv hervorheben will ich auch Nicolai Müller, der mir immer besser gefällt. Er ist stark am Ball und immer bemüht das Spiel nach vorne schnell zu machen; ein ständiger Unruheherd, der die Gegenspieler auf sich zieht. Es macht wahnsinnig viel Spaß ihm beim Fußball spielen zuzugucken.
Diekmeier musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden und wurde von Ashton Götz ersetzt, der seine Sache ebenfalls sehr gut machte. Ich habe Dieki, der in meinen Augen mittlerweile viel zu lange schon in seiner Leistung stagniert, nicht vermisst – das sagt eine Menge aus.
Ferner sahen wir die Rückkehr des Kapitäns in die Startaufstellung und auch vdV lieferte eine solide Leistung; daß die Luft noch nicht für 90 Minuten reichte war klar. Das zweite Comeback des Tages war dann die Einwechselung Marcell Jansens, der nicht weiter auffiel.
Es war eine gute Partie des HSV, der weiterhin auf einem guten Weg ist. Nächste Woche geht es nach Berlin und dann kommen die Pharmazeutiker aus Leverkusen in den Volkspark. Ich bin am Überlegen mir Ohrenstöpsel mit zunehmen, sollte ein gewisser Spieler beim Heimspiel der Rothosen auflaufen …
War sonst noch was?
Es gab ein paar Änderungen an der Stadionshow: Besucher der Webseite des HSV konnten abstimmen welches HSV Fanlied vor dem Spiel gespielt werden soll. Danach kam dann das gewohnte Hamburg, meine Perle und die Mannschaftsaufstellung wurde mit dem Einlauf der Spieler ins Stadion bekanntgegeben. Auch hier gab es eine Änderung: bisher wurde das jeweilige Konterfei des Spielers in den Fenstern eines Flugzeugs angezeigt (mit freundlichen Grüßen des Hauptsponsors), was ich persönlich ganz witzig und originell fand. Nun gibt es die gleiche blöde Spieler verschränken die Arme-Animation, die es überall gibt und die ich als extrem affig und künstlich empfinde.
Meine Meinung zu dem Animationsquatsch (noch schlimmer ist übrigens die Variante bei dem Spieler dumm lachend einen Ball fangen, den man ihnen aus dem Off zu wirft) steht bereits im Satz oben. Generell finde ich diesen Stadionshow-Blödsinn zunehmend immer nerviger und vor allem die Mannschaftsaufstellung direkt mit dem Einlauf der Spieler zu verbinden extrem störend; es fühlt sich irgendwie falsch an. Mal abwarten ob sich das noch gibt.
Und dann?
Nach dem Bundesliga-Spiel im Volkspark fuhren wir mit dem Shuttle zur Haltestelle Hagenbecks Tierpark, wo ich mich beim Dönermann weigerte auf die Toilette zu gehen, da über dem Eingang der Herren ein braun-weißer Schal hing. Der Halsschmuck über dem Eingang der Damen glich zwar eher dem was ich selber trug, doch wollte ich ungern als Sittenstrolch rausgeschmissen werden. Also beeilten wir uns die Lokalität zu wechseln, wollten wir doch an diesem Abend noch ein zweites HSV-Spiel sehen – diesmal in dem Eis-Stadion neben der Wolfgang-Meyer-Sportanlage, auf der sonst die U23 spielt, wo es eine Begegnung der Oberliga-Nord gab: der HSV Eishockey spielte gegen Timmendorfer Strand.
Auch wenn wir ein wenig zu spät waren hatten wir Glück, denn der Anbully hatte sich verzögert, da die Schiedsrichter noch nicht da waren. Als es dann endlich losging sahen wir ein gutes Spiel unserer Kufencracks, die die Gäste von der Ostsee (“Ihr seid nur Strandkorbvermieter!”) in einer sehr einseitigen Begegnung mit 6-1 nach Hause schickten.
Es war im Großen und Ganzen ein gelungener Tag in schwarz-weiß-blau.
