Ich will gar nicht viel über das Spiel von Gestern (Gestern war ein Spiel?) schreiben: die Gegentore fielen zu einfach und bis auf das 0:1 alle über die gleiche Seite. Nach dem 1:3 war dann eh alles egal.
Die erste Halbzeit von uns war sogar okay, wenn auch vom Verve und Rotieren, das auf Schalke so gut funktioniert hat nicht mehr viel zu sehen war. Der Gegner hat sehr gut verteidigt und war bei den entscheidenden Szene einfach etwas spritziger und mit mehr Durchsetzungsvermögen. Übrigens auch ein Beweis, was für ein Quatsch manchmal Statistiken sind, denn was nützen uns mehr Ballbesitz und mehr gewonnene Zweikämpfe, wenn wir in den entscheidenden Szenen pennen?
Darüberhinaus haben die Hoppelheimer es gut verstanden die Schwächen des Schiedsrichters auszunutzen, während wir ständig am lamentieren waren: es ist mir noch NIE in einem Spiel aufgefallen, wie oft hier die Hände des Gegners an den Trikots waren und gezupft, gezogen und gehalten wurde, ohne das der Schiri es ahndet, wie in diesem Spiel. Die Spieler liefen teilweise mit ausgestrecktem Arm hinterher…
Wie dem auch sei: am Schiedsrichter lag es nicht, das wir verloren haben, denn wenn wir es nicht schaffen uns darauf einzustellen, das es ihn nicht stört, wenn die Stoffqualität unserer neuen Trikots dermaßen getestet werden, ist das alleine unsere Schuld.
Wir haben eine unnötige Klatsche im ersten Heimspiel bekommen, die – gerade gegen diesen Gegner – weh tut, doch das gilt es jetzt abzuschütteln. Im Vergleich zur letzten Saison stehen wir übrigens in vielerlei Hinsicht besser dar: wir haben keine 0 Punkte und keine 0 Tore.
So viel zur Mannschaft. Was jetzt folgt ist ein Rant auf das Publikum. Ich habe mich während und auch nach dem Spiel massiv über das Geschehen auf den Rängen aufgeregt und ich weiß, das ich nicht der Einzige bin.
Es ist eine unglaubliche Frechheit, wie früh die Mannschaft auf den Rängen ausgepfiffen wurde. Generell finde ich das Auspfeifen des eigenen Teams während des Spiels total daneben. Man kann gerne nach dem Schlusspfiff seinen Unmut kund tun. Hinter mir im Block (ich stehe 22 C, dem sogenannten Stimmungsblock) wurde insbesondere in der zweiten Halbzeit jede Aktion von Zoua mit hämischen und sarkastischen Kommentaren begleitet, bis mir irgendwann der Kragen geplatzt ist und ich die Pöbler angeranzt habe ihre verschissenen Sarkasmus zu unterlassen. Entweder Anfeuern, die Schnauze halten oder nach Hause gehen. Alles andere ist unterste Schublade und will ich während des Spiels nicht auf den Rängen hören.
In genau die gleiche Kategorie fallen die “Rudneeeevs!” Sprechchöre die während der zweiten Hälfte aufkamen. Auch ich mag Rudi und es freut mich total, daß gerade er, der letzte Saison teilweise auch erheblicher Kritik ausgesetzt war, mittlerweile ein Publikumsliebling ist (nur mal so am Rande: diese Parallele ist den Zoua-Pöblern wahrscheinlich auch nicht bewusst, bzw. es würde mich nicht wundern, wenn sie damals nicht auch schon dergestalt über Rudi gelästert haben), aber was ist das für ein Signal an den/die Spieler, die auf dem Platz stehen und potentiell für hn rausgehen sollen; oder auch an ihn selber?
Es stellt sie vermehrt unter Druck und könnte zu einer (weiteren) Verkrampfung auf dem Platz führen. Ähnliches gilt für den Trainer: es ist sehr wahrscheinlich, daß er ihn sowieso eingesetzt hätte, aber auch er wird durch solche Forderungen von den Rängen unter Druck gesetzt und taktische Überlegung werden in Frage gestellt und/oder über den Haufen geworfen.
Das ist nicht hilfreich. Fatalismus bringt uns nicht weiter. Ich starre dann lieber die letzten 20 Minuten fassungslos auf das Geschehen auf dem Platz, trinke ein bis zwei Bier mehr bei Knappis und wenn der Rausch ausgeschlafen ist, werde ich trotzig: Jetzt erst Recht!
Ich habe mich wahnsinnig auf den Beginn der neuen Saison gefreut und ich freue mich tierisch auf die Auswärtsfahrt nach Berlin. Ich freue mich darauf, mich mit Freunden zu treffen, die ich leider viel zu selten sehe. Wir wollen gemeinsam essen gehen und dann am Sonnabend mit dem Mob vom Theodor Heuß-Platz zum Stadion gehen.
Um Punkt 17 Uhr wird unsere Stadionuhr die magischen Zahlen 50 000 00:00:00 anzeigen, denn zu diesem Zeitpunkt ist es genau 50 Jahre her, das das erste Bundesligaspiel des HSV angepfiffen wurde und nicht eine einzige Sekunden haben wir seit dem verpasst. Nach dem Spiel gibt es dann eine riesige Party im Astra Kulturhaus mit Lotto King Karl und Elvis, wo wir das ganz groß feiern werden.
Vorher jedoch werden 10.000 HSV-Fans im Olympiastadion erwartet und ich wünsche mir sehr, daß ich weder nochmal so ein schlimmes Spiele sehen muß, noch das ich meine eigenen Leute im Block anpöbeln muß, weil die lieber auf ihr eigenes Team oder einzelne Spieler schimpfen, anstatt alles dafür zu geben sie nach vorne zu peitschen.
Wir gehen voran, als euer zwölfter Mann!
Durch Regen und Wind, durch Sturm und Schnee
HSV oleee!
So heißt es in einem Lied, das wir gerne und oft singen. Aber sobald es gerade mal etwas schlechter läuft, ist das schon wieder vergessen und es wird gepfiffen und gemotzt. Merkt ihr selber, oder?
Wir sind alle HSVer verdammt Scheiße noch mal, benehmt euch gefälligst auch so!
NUR DER HSV!
UPDATE: Ich möchte an dieser Stelle auch noch mal auf die Beiträge von Kai und Maik verweisen, die genauso wie ich denken.

Im Grunde geb ich dir Recht – ich muss mich auch immer tierisch aufregen, wie früh unsere Mannschaft ausgepfiffen wird (wobei ich es auch genauso peinlich finde, wenn in anderen Stadien nach jedem Gegentor erstmal fröhlich “You never walk alone” angestimmt wird).
Trotzdem finde ich deinen Rant aufs Publikum etwas übertrieben. Auch wenn ich mein Team nicht während des Spiels auspfeife – die Flucht in den Sarkasmus deiner Nebenleute kann ich gut nachvollziehen. Bei den vielen miesen Spielen, die wir zuletzt ertragen mussten, hat mich oftmals auch nur noch Galgenhumor bei Laune gehalten. Nach dem 10. dummen Fehlpass und verkorksten Dribbling kann und will ich mir ‘nen Spruch nicht verkneifen. Und solang ich dann die Mannschaft wieder anfeuer, muss sich auch kein “Blockwart” darüber aufregen. Sorry for that ;)
Danke für Dein Feedback.
Es ist eine Sache zu Motzen und auch mal auf einen Spieler zu schimpfen, das mache ich auch und das gehört dazu. Aber wenn man den Support einstellt (in der Kurve, die sich auserkoren hat genau das zu tun), um nur noch gezielt über einen einzelnen Spieler zu ätzen, ist das nicht hinnehmbar. Das ist Mobbing gegen den eigenen Spieler.
Wir können nicht das Verhalten gegen Tobias Levels anprangern und dann das gleiche bei uns in der Kurve akzeptieren; das ist Heuchelei.
Soso, “Platz und Ränge”, aber keine Rede von der Hauptschuld an der Seitenlinie
Der Trainer ist Teil des Teams und hat dem entsprechend eine Mitschuld. Ich will aber (noch) nicht in das derzeit beliebte Fink-Bashing einstimmen. Es ist der zweite Spieltag, verdammt noch mal. Mal etwas weniger Fatalismus und das anerkennen, daß ein Gegner einfach besser war wäre gut.
Ich stimme Dir zu, lieber Tim. Außer bei einer Geschichte: Ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn die Fans Rudnevs fordern. Ein schöneres Zeichen der Zuneigung seitens der Fans kann es nicht geben, zumal ich davon ausgehe, dass sie ihn auch gefordert hätten, hätte es 3:0 für uns gestanden. Rudnevs ist einfach ein Typ, den die Leute sehen wollen. Bei gewissen St.Adtteilvereinen würde man ihn wohl “kultig” nennen.
Die Spieler auf dem Platz, vor allem die, die an seiner Statt spielen, müssen damit leben. Und ich denke, das tun sie auch – keiner wird auch nur 5 Prozent weniger Leistung bringen, nur weil ein anderer Name als der eigene skandiert wird. Im Gegenteil: Aktionen von der Tribüne jeder Art zeigen, dass sich die Fans mit ihrem Klub auseinandersetzen. Das registrieren auch die Spieler, und zwar tendenziell eher mit Wohlwollen.
@rebiger
Es ist eins Rudi zu feiern, aber nicht wenn Zoua einen Ball verliert anfangen Rudnevs zu singen.
Ich kann ja auch mal bei dir im Blog ständig Tim fordern, wenn du anfangen willst was zu schreiben.
Das geht nicht und ist unfassbar beschissen.
Ah, ok: Aus Tims Zeilen, lieber Florian, ging nicht hervor, dass die “Rudi”-Rufe als Reaktion auf Zouas Annahmeschwierigkeiten kamen. Das geht natürlich nicht. (Ich habe schon zu Zeiten Richard Kitzbichlers nicht verstanden, warum man seinen eigenen Spieler mobbt – das scheint bei Zoua ja auch in die Richtung zu gehen, wenn auch noch nicht in dieser Intensität.)
Ja, das war etwas schwammig formuliert. Aber die Rufe kamen wirklich vermehrt wenn Zoua mal wieder etwas unglücklich aussah; wenn ich mich korrekt erinnere sogar schon während der ersten Halbzeit!
Pingback: MOM, Bundesliga Saison 2013/2014, Spieltag 2 | NedsBlog