An dieser Stelle folgt ein Text über Fußball und darüber wie unsagbar beschissen das Gebolze auf dem Platz und wie unfaßbar armselig traurig das Geschehen auf den Rängen gewesen ist und warum ich trotzdem einen tollen Abend hatte.
Mit gemischten Gefühlen ging ich zum Heimspielauftakt in den Volkspark. Gleich zu Beginn gegen beide Aufsteiger zu spielen ist keine leichte Aufgabe, auch wenn das Spiel in Köln ein paar gute Ansätze gezeigt hatte. Es kam dann schließlich so, wie es immer gegen so einen Gegner kommt; ihr kennt das.
Dennoch: wer ernsthaft nach 30 Minuten Spielzeit “Wir wollen euch kämpfen sehen!” und “Ruud-neee-eevs!” singt, den kann ich nicht ernstnehmen. Ja, wir lagen 0:1 gegen einen Aufsteiger hinten, aber dieser spielte clever, diszipliniert und konsequent: Arslan verliert in der Vorwärtsbewegung den Ball, wodurch ein Konter aus dem Lehrbuch zum 0:1 führte. Berechtigterweise durfte Tolgay daraufhin in der zweiten Hälfte nicht mehr mitmachen.
Mitmachen durfte dann dafür der oben erwähnte Ruud-neee-eevs, weil vdV verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Der Lette leitete dann einen wunderbaren Assist zum 0:2 als er einen total unnötigen Querpass spielte der vom Gegenspieler ganz einfach abgefangen werden konnte. Wieder konsequent gespielt.
Auch Ivo machte dort weiter, wo er in Köln aufgehört hatte und verstolperte hilflos Bälle, wobei er einer der wenigen war, die versucht haben etwas nach vorne zu tun. Dennoch hat nichts, aber auch gar nichts zusammengepasst. Das es bis zur 40.Minute dauerte das wir einen ersten richtigen Torschuß auf den Paderborner Torwart sahen war ebenfalls konsequent.
Es war im Großen und Ganzen ein ganz schlimm ideenlos und behäbiges Spiel, das nahtlos an letzte Saison anknüpfte. Das ist kein Mittelmaß, sondern so spielt ein Absteiger. Das ist kein Aufstellen für Europa, das ist Schuhe schnüren für Aue und Sandhausen.
Stimmung gab es auch keine; statt dessen wurde jedes bekannte Lied mal kurz angesungen und dann zum nächsten gesprungen. Am längsten hielt noch der obligatorische Wechselgesang mit Poptown in 25A. Die CFHH wurden (nicht nur) von mir schmerzhaft vermisst, während hinter mir ein paar Typen standen, die sich nicht zu doof waren ungefähr eine Minute nach Spielbginn zu behaupten, das es im Stadion lauter als letzte Saison gewesen sei.
Ich habe letzte Saison 27 Pflichtspiele gesehen. Bin bis auf Hoppelschleim und Gladbach die gesamte Rückrunde auswärts gefahren, inklusive Relegation in Fürth. Das war die schlimmste Auswärtsfahrt meines Lebens. Das wird es dieses Jahr nicht geben. Ich kann das nicht mehr. Ich bin mir aktuell nicht mal sicher, ob ich alle Heimspiele sehen will, denn die 90 Minuten am Sonnabend waren seelenlos. Warum genau soll ich mir das antun?
An der Nordtribüne hing ein Spruchband, das Norbert und die Feiglinge zitierte “Und wir gehen immer noch zum HSV“. Im Lied heißt es anschließend “Warum wissen wir selber nicht so ganz genau” und genau das frage ich mich derzeit auch.
Wir gingen nach dem Spiel zusammen essen und tuckerten mit der Fähre nach Finkenwerder und zurück. Wir saßen an der Elbe und tranken Bier und haben uns von einem 20jährigen Immigranten bespaßen lassen, der uns mit seinen blöden Witzen zum Lachen brachte, uns eiskalten Wodka ausgab und als er ging schließlich die noch zu einem Drittel volle Flasche schenkte.
Danach haben wir Touristen aus Nürnberg kennengelernt, denen wir Bier ausgegeben und Hamburg erklärten. Anschließend sind wir spontan mit ihnen zum Fischmarkt gegangen, weil es bereits 4 Uhr durch war (Kai sagte “Zum Fischmarkt gehen kann man nicht planen, das passiert einfach.” – Recht hat er!). Dort überredeten wir sie Franzbrötchen zu essen und haben ihnen damit neue kulinarische Welten gezeigt. Es war 6.30 Uhr als ich im Bett lag. Ich war alles andere als nüchtern, aber ich hatte einen wahnsinnig tollen abend mit wahnsinnig tollen Leuten und Freunden erlebt – nur das Fußballspiel am nachmittag, das hatte irgendwie gestört.
