Tim zu Hause: Ausgebremst 2

Ich hätte es ahnen sollen. Die Ereignisse der vergangenen Woche (und damit meine ich nicht die Niederlage beim BVB) haben bei mir eine außergewöhnlich miese Laune verursacht, die am Sonnabend plötzlich wie weggeblasen war. Eventuell lag das am Metaxa, den ich am Freitag bei meinen Eltern getrunken habe, vielleicht war es aber auch einfach die Tatsache, das das heißersehnte Nordderby anstand und Frittenfett neben mir wie Trockeneis wirkte.

Dann von meinen Blocknachbarn, die mal mal wieder fleißig bei der Choreo geholfen haben, die Aufstellung gehört: Jonathan Tah von Beginn dabei. “Das wird geil.” gedacht…

Es war dann aber doch das erwartete Spiel von Not gegen Elend. Insbesondere in der ersten Hälfte wirkten die Weseraner wacher, spritziger und haben (wie es anscheinend bei unseren Gegnern üblich ist) viel öfter die zweiten Bälle bekommen. Stellvertretend war dann auch die Szene, die zum 0:1 führte bei der Jansen überlaufen wird und Petersen den Ball in der Mitte nur noch versenken muß.

Abgesehen davon haben wir weitestgehend ganz ordentlich verteidigt, allein bei Standards sind wir nach wie vor übelst anfällig. Zwei mal kratzte Lam den Ball nach Ecken von der Linie und Adler hielt alles was er halten konnte, in der zweiten Hälfte sogar einmal einen Torschuß bei dem sich alle gefragt haben, wie er das angestellt hat.

Die Führung des Gastes war durchaus verdient, er war einfach bissiger.

In der zweiten Halbzeit war dann mehr Tempo drin und auch wir erarbeiteten uns die eine oder andere Chance. In der Nachspielzeit ging dann auch Adler mit nach vorne und wir kassierten das zweite Tor. Keine Vorwürfe an dieser Stelle, das ist dann nun mal so und letztendlich auch egal.

Nicht egal ist das die Bremsen schlecht und besiegbar waren. Man hat das bei unseren wenigen guten Aktionen gesehen, wie sie auf einmal etwas ins Schwimmen kamen und Mielitz öfters mal den Ball nicht richtig hat festhalten können.

Mehr will ich zu diesem Spiel nicht mehr schreiben, außer das mir Tah, trotz zwei drei kleiner Aussetzer sehr gut gefallen hat; genauso Rincon, der gekämpft und geackert hat, wie man das von ihm kennt. Leider musste er dann verletzungsbedingt (Kieferbruch) ausgewechselt werden; an dieser Stelle: Gute und schnelle Besserung, Tomas!

Nachdem Spiel war da dann nur noch unfassbare Leere. Fassungslos standen und hockten wir nach Abpfiff noch minutenlang im Block. Schweigend. Ein paar Tränen verschleierten meinen Blick.

Irgendwann machten wir uns dann auf zu Knappis, um mit unserer Trauerbewältigung zu beginnen. Ich verwende den Ausdruck nur sehr ungern, zu Mal nach einem Spiel wie diesem, aber es gab dann so vieles an diesem Abend, daß man ihn in der Retrospektive als ziemlich großartig bezeichnen muß.

Es begann mit dem folgenden Ereignis: direkt an der Kreuzung bei Knappis wird Verkehr von Verkehrspolizisten geregelt. Um die Autofahrer durchzulassen deutete uns einer von ihnen mit breit ausgestreckten Armen, das wir stehen bleiben sollen. Wir scherzten, das er uns wohl umarmen wolle um uns zu trösten. Woraufhin er uns zu sich winkte und uns in den Arm nahm. An dieser Stelle einfach noch mal extra fette Grüße an den guten Mann in Uniform. Das war ein toller Fan-Moment!

Während wir unseren Frust ertränkten, folgte es später dann der Moment, auf den wir alle gewartet hatten: der mobilen Hühnerstall des Gegners verließ des Stadion und durfte sich von uns bepöbeln lassen. Danach schmeckte das Bier noch etwas besser.

Zwischendurch haben wir bei den Toiletten noch einen Schotten in Rangers-Trikot getröstet, der extra zum Derby aus Glasgow angereist war; übrigens nicht der einzige Fan aus dem Ausland den wir an diesem Abend nach dem Spiel getroffen haben.

Als das Bier dann endlich leider ausgetrunken war beschlossen wir Essen zu gehen. In der S-Bahn saß dann ein einsamer debil grinsender Weseraner, der sich an unseren Frustgesängen zu dem wir den Rest des Waggons animierten ergötzte.

Beim Mexikaner, dem Restaurant unserer Wahl, angekommen hieß es erst das wir etwas warten müssten, damit für uns 7 Platz ist, doch das ging dann schneller als erwartet. Hier hatten wir dann das zweite Erlebnis mit einem HSVer aus dem Ausland – ein Amerikaner aus Philadelphia saß alleine an der Theke. Er hatte sich im Stadion ein Trikot gekauft und erzählte, das dies sein erstes Spiel war. Wir schenkten ihm ein paar HSV-Aufkleber sowie einen Schal und versicherten ihm das alles besser wird. Auch das war ein toller Fan-Moment!

Gesättigt gingen wir dann zur nahen Tanke,holten uns ein paar Wegebiere und gingen runter zum Hafen. Dort saßen wir und genossen das klatschen des Wassers an die Kaimauern. Es gab in diesem Moment niemand anders, mit dem ich genau das Teilen wollte, wie genau die Leute, mit denen ich dort zusammen saß. Und dann gab es diesen Tweet und wieder feuchte Augen:

Es war wohl halb drei als ich zu Hause an kam. Es war ein beschissenes Spiel mit einem beschissenen Ergebnis und es ging mir beschissen. Aber die, mit denen ich den Abend und einen Teil der Nacht verbracht habe, machen es alles erträglich und sorgen dafür, daß ich trotzdem mit einem leisen Lächeln ins Bett gegangen bin. Danke dafür.

Am Dienstag kommt dann der aktuelle Tabellenerste der Zweiten Bundesliga nach Hamburg und will sich von uns aus dem DFB-Pokal schmeißen lassen. Tun wir ihm den Gefallen.

NUR DER HSV!

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2 thoughts on “Tim zu Hause: Ausgebremst

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