Die Vorzeichen haben gestimmt: in Hamburg lachte die Sonne, während in Dortmund der Himmel weinte. Die Schafe standen auf dem Deich, wir hatten Wegekuchen in dreifacher Ausführung und natürlich das obligatorische Wegebier. Das ich Dortmund kann, hatte ich letzte Saison bewiesen und wir hatten unter der Woche gescherzt, das wir uns bei den Dortmundern als neuen Angstgegner etablieren wollen. Diese Lockerheit des Vorfeldes war auch noch am Spieltag vorhanden und so fuhr ich extrem tiefenentspannt in den Pott.
Leider konnte man das von unserem Team nicht behaupten.
Der Trainer überraschte mit einem 3-5-2-System bei dem nominell 5 Abwehrspieler auf dem Feld standen. Eigentlich ganz clever von der Idee her, doch die Ausführung war dann doch sehr mangelhaft. Wir wurden schnell unter Druck gesetzt und wirkten von Anfang an sehr gehemmt. Das wir hier nochmal mit 4:1 als Sieger gehen hatte vorher natürlich keiner ernsthaft geglaubt und die Dortmunder wollten selbstverständlich die Schmach der beiden Niederlagen aus der letzten Saison unbedingt gut machen; und genauso haben sie auch gespielt. Es war beeindruckend zu sehen wie sehr und wie gut die neuen Spieler Mkhitaryan und Aubameyang mit dem Team eingespielt sind und funktionierten.
Die Kombinationen waren flüssig und immer wieder wurde unsere Dreierkette ohne größere Probleme ausgespielt. Immer wieder hatten die BVBler ein Bein dazwischen und holten sich gefühlt ALLE zweiten Bälle, so daß jede Kontermöglichkeit von uns sofort im Keim erstickt wurde.
Naja, und dann fiel das 1:0 durch eine unglückliche Aktion von Adler, der den Ball aus mir nicht erklärlichen Gründen nicht ordentlich wegfaustet, so daß er dann plötzlich im Netz liegt. Nun gut, haben wir uns gedacht. Letzte Saison gingen die hier auch 1:0 in Führung…nur lag der Ball dann plötzlich 3 Minuten später wieder im Tor.
Das dies nicht der einzige Doppelschlag des Spiels werden sollte, konnte wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, aber die Worte “München” und “Disaster” schienen trotzdem schon über der wie immer rappelvollen Gästekurve zu schweben.
Doch dann passierte etwas außergewöhnliches: jemand im Team nahm sich ein Herz, stürmte nach vorne und traute sich einfach mal auf das gegnerische Gehäuse zu schießen und erzielte ein Traumtor. Das was sich nach vdV (oder Son der letzten Saison) anfühlte und auch so aussah war das erste Bundesligator von Zhi Gin Lam. Ein wichtiges Tor, daß ich ihm von Herzen gönne, hat er doch doch in den letzten beiden Spielen eine solide Leistung gebracht und sich im Verhältnis von vergangenen Bundesligaspielen der vor Vorsaison durchaus gesteigert.
Mit dem 2:1 ging es dann in die Pause und auch wenn von uns erschreckend wenig nach vorne ging, so schien der Anschlußtreffer wieder etwas Moral gebracht zu haben. Zur Halbzeit kam Jiracek für Sobiech, das 3-5-2 wurde zum 4-4-2 und fast schien es so, als wäre dies das Mittel zum Erfolg: ein wirklich toller Freistoß von vdV Westermann hält die Birne hin und erzielt das 2:2 vor dem Gästeblock, der jetzt explodiert vor Freude. Sehr schön dabei der Jubel von Westermann mit geballten Fäusten gen Fans mit einem “Fuck yeah, jetzt gilt’s!”-Blick.
Für einen kleinen Moment schien hier der BVB zu wackeln. Doch dann lief der BVB-Motor wieder auf Hochtouren und wir kassierten innerhalb von zehn Minuten drei Tore, wobei zwischen dem 4:2 und 5:2 sogar nur zwei Minuten lagen; der oben erwähnte weitere Doppelschlag, der uns in diesem Fall das sprichwörtliche Genick brach.
Das Tore schießen gegen uns war aber auch mal wieder viel zu einfach – ständig gab es riesige Lücken, so daß immer ein Dortmunder frei stand und unsere Defensivspieler nur hinterher laufen konnten. 32:4 Torchancen für die Gastgeber sprechen eine deutlich Sprache und belegen, daß sie einfach in allen Belangen zu überzeugen wussten und wir nicht stattgefunden haben; von daher ist das Ergebnis schon gerechtfertigt.
Ich aber frage mich, wieso wir abermals wieder so auseinander genommen wurden. Warum war unser Spiel so extrem einfallslos? Es war primitives Kick&Rush im allerschlimmsten Stil – immer nur hohe Bälle nach vorne, die ständig problemlos abgefangen werden konnten. Der Ball war so lange unterwegs, es ist war eine Leichtigkeit für die Dortmunder den potentiellen Empfänger sofort zu ermitteln, doppeln und zu Fehlern zu zwingen, so daß sie ganz schnell selber an den Ball kamen und wieder in den Vorwärtsgang umschalten konnten.
Seufz.
Davon abgesehen muß ich mal über die unglaubliche Fallsucht einiger Dortmunder, insbesondere eines gewissen Herrn R. motzen. Der Typ macht das erst seitdem er für den BVB spielt und in der N11 so gut wie nie. Das ist so unglaublich widerlich. Außerdem hat er zwei Mal (!!) nach einem Abseitspfiff bewußt den Ball aufs Tor geschossen ohne vom Schiedsrichter, wie sich das gehört, mit Gelb bestraft zu werden. Ich finde das sehr erstaunlich, was er sich alles unbestraft leisten kann. Wenigstens hat er diesmal nicht ständig irgendwelchen Karten gefordert. Generell war mein Eindruck, das der BVB um jeden Preis Karten gegen uns provozieren wollte, bei jedem Scheißdreck lagen die auf dem Boden und haben sich gewälzt, was sie eigentlich gar nicht nötig haben.
Lieber Dortmunder, ich will von euch NIE WIEDER irgendwelche Sprüche über Jarolim (SCHALALALALALAA!) hören!
Was war sonst noch?
In Dortmund spielt man bei Siegen “Oh wie ist das schön…” VOM BAND. ‘Nuff said.
Vor und nach dem Spiel habe ich noch ein paar Mitsitzkissen und Twitterer kennengelernt und getroffen, die ich noch nicht in Persona gesehen habe. Das war wie immer toll!
Nicht so toll war die Tatsache, das wir feststellen mussten, das man in manchen Teilen Deutschlands nach Mitternacht kein Bier an Raststätten bekommt.
Kein Bier nach Mitternacht. Ich komme da nicht hinüber weg. Bin ich ein Gremlin oder was!?
— NUR DER HSV! (@nurdertim) September 14, 2013
Nächste Woche kommt die Stinkeweser, da gewinnen wir wieder.
In diesem Sinne: NUR DER HSV!

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