Auswärts in/auf/um/unter/drüber Schalke: Mitreißendes Unentschieden

Kinder vor und an Weihnachten wirken wie auf Ritalin, so aufgeregt und hibbelig war ich vor unserem Eröffnungspiel gegen Schalke. Was ich dort dann allerdings zu sehen bekam, war, im Gegensatz zu manchem Weihnachtsgeschenk, alles andere als enttäuschend, sondern ganz großes Auswärtskino und ein ganz starker Einstieg in die neue Saison!

Doch fangen wir vorne an:

Die Hinfahrt

Bevor es kurz nach 11 Uhr am sonntag vormittag losging wurde noch mal diversen Bielefeldern viel Erfolg beim Stadtteilverein gewünscht. So stiegen wir dann mit dem guten Gefühl das Hamburg auch ohne uns schwarz-weiß-blau (ARMINIA UND DER HSV!) ist in unsere Autos und fuhren in den Westen. Die Fahrt verlief grundsätzlich ohne größere Zwischenfälle, wenn man von einem kurzen Intermezzo bei der Stinkeweser absah, wo wir dank einer kleinen Stauung unnötigerweise länger verweilen mussten, als uns lieb war.

Vor Ort

Nach etwas mehr als 4 Stunden Fahrt kamen wir beim Stadion an und parkten natürlich im C-Bereich.
Einen kleinen Fußmarsch und etwas Eingangspetting später waren wir dann im Inneren und fühlten uns gar nicht so, als wären wir in einem Fußballstadion. Folgerichtig nannten wir dann den Ort des Geschehens für den Rest des Tages auch nur noch “die Turnhalle”.

Bevor wir den Innenraum betraten gab es die obligatorische Stadionwurst und ein Bier dazu. Leider muß man hier auch im Gästebereich mit Plastik, der Knappenkarte, bezahlen. Ich nenne dies nach wie vor Nötigung, aber wat dat mut und wir waren hungrig und durstig. Die Bratwurst war sehr gut und das Bier Veltins. Letzteres ist nicht meins, gibt aber auch schlimmeres. Die Preise waren mit 2.50€ für das Grillgut, sowie 3.60€ für das Gezapfte okay.

Im Stadion

Der Gästebereich war zwar sehr geräumig und hatte schöne breite Stufen, wirkte aber insgesamt irgendwie klein. Des weiteren sorgte die Hallenform dafür, daß keine frische Luft reinkam und es ab der zweiten Halbzeit sehr stickig wurde. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es noch vor einer Woche gewesen wäre.

Sehr unschön fand ich, daß an dem Anzeigewürfel keine Stadionuhr ist. Dafür hatte er wiederum auf unserer Seite einen kleinen Anzeigefehler: ein schwarzes und ein gelbes Quadrat, ein Schelm wer Böses dabei denkt, hihi. Ebenfalls sehr unfein und etwas unsportlich fand ich die Tatsache, daß die Torschützen der Gäste nicht durchgesagt und/oder angezeigt wurden (falls doch, war es so leise, das man es nicht gehört hat). Dafür musste nach jedem Treffer der Gastgeber unbedingt noch der Vorlagengeber mit angesagt werden; ziemlich affig.

Als wie üblich zu erst Adler und kurz darauf Drobny zum warm machen aufliefen wurden beide mit reichlich Sprechchören gefeiert. Später, bevor es wieder in die Kabine ging, kam dann die gesamte Mannschaft zu uns in die Kurve und das neue Einklatschritual wurde zelebriert. Ich finde es nach wie vor eine klasse Aktion, die viel Spaß macht und Fans und Team verbindet und Nähe demonstriert. Mittlerweile klappte es auch schon ganz gut, in Jena war das noch etwas holprig und asynchron.

Beim Einlauf der Spieler gab es eine tolle kleine Choreo von uns, die mir sehr gefällt:

Das Spiel

Dann begann das Spiel. Mit einem Paukenschlag. Es waren gerade mal knapp anderthalb Minuten gespielt, als Draxler einen schönen Pass auf Huntelaar spielte und dieser zum 1:0 traf. Kurzes Entsetzen setzte im Gästeblock ein und die üblichen “Verdammt, das gibt eine miese Packung!” Gedanken waren in vielen Gesichtern zu sehen. Wir schüttelten diese aber schnell ab, 88 Minuten sind eine menge Zeit, den Rückstand wieder gut zu machen,und feuerten unbeirrt unseren HSV an.

Was folgte, war eine saustarke erste Halbzeit, die wir klar dominiert haben. Das System von Fink ohne echten Stürmer, dafür mit einem rotierenden Mittelfeld zu spielen ging voll auf. Wir spielten variabel, mit gutem Pressing und stellten die Schalker immer wieder vor Probleme. So dauerte es nur knapp 10 Minuten nach dem ersten Treffer der Partie, als eine Flanke von Jansen Matip an dem Arm sprang und Schiedsrichter Gräfe auf den Punkt zeigte.

(Ganz ehrlich, auch wenn es für uns war: ich bin diese Art von Handelfmeter leid. Es muß hier eine klare Regelung her. Ich finde nicht unbedingt, das dies eine sogenannte “unnatürliche Handbewegung” war.)

Unser Kapitän, vdV, legte sich den Ball zurecht und verwandelte sicher zum 1:1. Dieser schnelle Ausgleich war durchaus verdient und sorgte für mehr Selbstvertrauen. Es dauerte nur 12 Minuten bis der Ball abermals im Schalker Gehäuse lag: eine wunderbare Spieleröffnung von Heiko Westermann, der einen langen Ball nach vorne auf Dennis Diekmeier schlug, der kurz darauf wieder mal bewies, warum er letzte Saison Europas Flankengeber Nummer Eins war: wie einst Manni Kaltz flankte er in den Sechzehner, wo Maxi Beister, in feinster Horst Hrubesch-manier, gefühlte 10 Sekunden in der Luft stand und dann den Ball an die Unterkante der Latte wuchtete, von wo der Ball kurz vor die Linie prallte, dann aber von dem ins Leere gesprungenem Hildebrand an den Arm schlug und so seinen Weg ins Tor fand. Sehr unglücklich für Schalke, aber das war uns egal – die Kurve explodierte, wir führten 2:1. Laut Bundesliga.de, war dies übrigens die einzige Flanke, die Diekmeier geschlagen hat.

Anschließend spielten wir gut weiter und hatten dann das Pech, das es eine Minute Nachspielzeit gab und die Knappen in dieser noch eine Ecke ausführen durften. Sie wurde kurz ausgeführt, Flanke in den Strafraum und wie so oft in der letzten Saison kam der Ball zu Huntelaar , der zum zweiten Mal in diesem Spiel ein Tor erzielte. Es ging also mit einem für die Schalker schmeichelhaften 2:2 in die Kabine.

Waren es noch die Schalker, die für das erste Tor in den ersten 45 Minuten verantwortlich gezeigt haben, so waren es in der zweiten Hälfte wir: Ecke in der 49.Spielminute, Sobiech steigt am höchsten und köpft den Ball aus kürzester Distanz in den Winkel. Zum zweiten Mal in diesem Spiel gingen wir Führung, es wurden aber noch lange 40 Minuten gespielt.

Im Verlauf des restlichen Spiels hatten wir dann kaum noch Chancen, die Schalker dafür um so mehr. Eine unglückliche Situation von Adler, der kurz vorher noch Weltklasse gegen Szalai gehalten hatte, sorgte schließlich für den erneuten Ausgleich: einen Schuß von Clemens kann Adler nicht festhalten und der Ball fällt genau vor die Füße Szalais, der schnell reagiert und die Kugel in die Maschen spitzelt. Danach passiert nicht mehr allzu viel und nach 3 Minuten Nachspielzeit pfiff Gräfe ab.

Viel Applaus und besondere Sprechchöre für Rene Adler, der sich sicherlich von allen am meisten über seinen Lapsus ärgert, gab es schließlich für die Mannschaft, als sie in die Kurve kam, um sich bei den Fans zu bedanken.

Bewertung

Das Unentschieden geht voll und ganz in Ordnung. Wir haben uns sehr gut verkauft und insbesondere in der ersten Hälfte richtig guten Fußball gespielt. Das Spiel machte sehr viel Lust auf mehr und ich freue mich auf das erste Heimspiel gegen Hoppelheim, wo wir hoffentlich unseren ersten Dreier einholen werden. Der Support war klasse, was meine Barry White-Gedächtnisstimme beweist.

Sehr gut gefallen haben mir Sobiech und Çalhanoğlu, der viele Standards treten durfte. Es fiel außerdem auf, das sich vdV, soweit ich das gesehen habe, nicht ein einziges Mal selber den Ball holen musste und dadurch viel offensiver spielen konnte; auch er hat ein gutes Spiel gemacht.

Eine Kritik muß er sich aber gefallen lassen: seine Gelbe Karte in der vierten Spielminute war mit Ansage und überflüssig. Er hat lange geschimpft, weil er einen Freistoß statt eines Einwurfes haben wollte und hat dann, nach dem Gräfe ihn mehrmals ermahnt hatte, den Ball etwas trotzig und zu stark zu Diekmeier, der am Seitenaus für den Einwurf bereit stand, zugespielt. Dies hat Gräfe dann durchaus zurecht mit dem gelben Karton geahndet.

Ansonsten schließe mich Jörn Wolfs Meinung an, der nach dem Spiel das folgende twitterte (und damit eine großartige Selbstironie bewieß):

Wenn wir die nächsten 33 Ligaspiele genauso weitermachen und die kleinen Fehler (Standards, Leute!!!) abschalten, werden wir diese Saison sehr viel Freude am HSV haben.

Unangenehm fiel mir eigentlich nur Herr Gräfe auf, der eine klare Linie pfiff: alles was er Schalke durchgehen ließ, wurde bei uns abgepfiffen, so zumindest unser subjektiver Eindruck. Auf alle Fälle finde ich es schon merkwürdig, das es Freistoß gegen uns gibt, wenn Sobiech auf dem Boden liegt und den Platz wegen einer blutenden Wunde im Gesicht verlassen muß, um sich außerhalb des Spielfeldes behandeln zu lassen.

Auf Twitter wurde seine Leistung in meiner TL durchaus als solide empfunden, aber der eine oder andere Nörgler, der mir zustimmte, war auch dabei. In der Kurve ist es halt schwer seine Vereinsbrille abzunehmen.

Die Rückfahrt

Auf der Rückfahrt gab es dann beim Tanken noch einen kleinen Notfall:

In diesem Sinne: NUR DER HSV!

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