Ich bin sonntag früh um 5.45 Uhr aufgestanden, um nach Augsburg zu fahren. Die Karte habe ich mir spontan aus Trotz nach dem Spiel in Gladbach gekauft. Ich wollte mir am Ende der Saison nicht vorwerfen nicht alles gegeben zu haben und nicht für die Mannschaft, meinen Verein, meine Herzensangelegenheit dagewesen zu sein, wenn sie alle mich am meisten brauchen.
Liebe ist wunderschön so lange alles gut ist. Aber sie tut wahnsinnig weh, wenn die Zeiten schlecht sind. Da ist es egal, ob die Liebe Peter, Sabine oder HSV heißt. Aktuell sind die Schmerzen groß und wechseln sich mit einer großen Inneren Leere ab. Ich bin ausgebrannt. Ich kann nicht mehr. Selbst das übliche probate Mittel, wenn mir der Humor schwindet funktioniert nicht mehr.
Doch dann gibt es manchmal diese Momente, wo es aus einem herausbricht und man nur hysterisch lachen kann. Diesen Moment, der auch einen Beweis liefert, warum ich twitter so liebe, hatte ich gestern auf der Heimfahrt, kurz nachdem wir Kassel-Wilhelmshöhe hinter uns gelassen hatten.
Ich muß dazu aber mit dem Moment der plötzliche Erkenntnis beginnen, als ich feststellte, das es eine selten dumme Idee war in Augsburg auf den Kauf von Bier zu verzichten. Der Grund dafür war wohl die Mischung aus großer Niedergeschlagenheit und einem ausgiebigen Gefühl von Frusthunger anstelle von Durst. Außerdem hatte ich die Befürchtung während der Fahrt einzuschlafen, was wiederum wahrscheinlich zur Folge gehabt hätte, das ich dann in der Nacht kaum hätte schlafen können.
Nach ein paar Minuten Fahrtzeit kam dann aber schließlich doch noch vermehrt Lust auf ein Bier auf und aus einem kleinen Witz mit meiner Begleitung das man sich ja in Würzburg welches an den Bahnsteig liefern könnte entstand der folgende Tweet:
Wohnt einer von euch in Würzburg und ist bereit gegen 21.29Uhr Bier zum ICE 580, Wagen vdV zu bringen? #notbierbedarftweet
— ColliniSue's bitch (@nurdertim) 27. April 2014
Das Schöne an Fußballfans auf twitter ist, das wir zwar in den Farben getrennt sind, doch im Bierdurst vereint. Denn schon die mächtigen Kassierer wussten, das das schlimmste ist wenn das Bier alle ist. Oder in meinem Fall: gar nicht erst eines da (die Bierpreise im Bordbistro sind unverschämt).
Ich bekam dann eine Nachricht mit der Frage, wann wir denn in Kassel seien, auf welchem Gleis wir ankämen und in welchem Zug. Brav beantwortet ich den Tweet und erhielt eine DM mit ein paar Anweisungen, was ich zu wem zu sagen hätte. Mehr James Bond geht nicht.
Die Anspannung und Vorfreude, ob mich tatsächlich eine Notbierlieferung in Kassel-Wilhelmshöhe erwarten würde, stieg ins Unermessliche. Wir hatten dort 2 Minuten Aufenthalt, es musste also alles zügig (pun not intended) über die Bühne gehen.
Der ICE hielt. Ich stieg aus und nach einem kurzem Blick sah ich die Übergabeperson. Wir tauschten die Parolen aus, ich unterdrückte den Drang sie zu küssen und bedankte mich stattdessen verbal. Dann stieg ich mit einem schweren Jutebeutel, der verdächtig klimperte, wieder in den Zug.
Freudig erregt und vor allem durstig öffnete ich den Beutel und hab erstmal eine Weile schallend lachen müssen:
Well played, ColliniSue! Ich hab Dich lieb. <3
PS: Trinkt kein Brähmer Bier!
PPS: Ich hab dann für 3€ ein Bitburger im Bordbistro gekauft.

“Sehr schön” willst Du vielleicht grade nicht lesen, aber ich meine es so. Sehr schön gemacht vom Bierlieferanten, sehr schön erzählt von Dir.
Danke. Ich fand die Aktion großartig und muß schon wieder darüber lachen.
Ich lache hier gerade Tränen. Großes Twitterkino. Danke!
(und.. eigentlich hast Du sowas doch erwartet!)
Ich hätte gerne ein Foto seines feixenden Gesichts beim Planen.
Ach. Du. Scheiße.
Ich dachte gestern ernsthaft, man hätte Dir den Beutel voller … Bier will ich das gar nicht nennen … naja, jedenfalls: als Foto geschickt oder so.
Nope. Das war echtes…Drecks im Beutel. Hat aber noch Abnehmer gefunden.
Das Foto kannte ich, die Geschichte dazu ist mir neu und sie ist großartig!
Trotzdem geile Aktion.
Super Ding. Brähmerbier hihihi-)
ich war ja live auf Twitter dabei. Aber wie die Geschichte dann real ablief, hatte ich nicht verstanden. Lustige Idee vom Lieferanten. Gut erzählt von Dir.