Blogparade: Buch vs. Film

Literaturverfilmungen sind kein neuer Trend, aber es hat den Anschein als gebe es derzeit eine massive Offensive im Bereich der Jugendbuchverfilmung. Miss Booleana hat dies zum Anlass genommen eine Blogparade zur alten Frage “Was ist besser: Buch oder Film?” zu widmen.

Die Regeln lauten:

Stellt uns 10 Filme/Serien/Anime und ihre Lite­ra­tur­vor­la­gen (Comics, Manga, Gra­phic Novels ein­ge­schlos­sen) vor und ent­schei­det, wer die Nase vorn hat. Dabei könnt ihr die Blog­pa­rade so gestal­ten wie ihr möch­tet. Ent­we­der ganz neu­tral 5 vs. 5 (5 gute Bei­spiele für Lite­ra­turum­set­zun­gen ver­sus 5 schlechte) oder ihr ver­sucht den Lesern zu bewei­sen, dass Litra­tur­ver­fil­mun­gen eurer Mei­nung nach eher dane­ben gehen oder ziem­lich gut sein kön­nen. Ihr bestimmt damit maß­geb­lich den Aus­gang und Ton der Blog­pa­rade, denn zum Schluss werte ich aus wie gut Lite­ra­tur­ver­fil­mun­gen bei euch weg­kom­men. Klei­ner Haken bei der Sache ist natür­lich, dass ihr bei­des ken­nen soll­tet: Vor­lage und Umset­zung.

Hier folgt, alphabetisch sortiert, meine Liste von 10 Büchern und wie ich ihre jeweilige Verfilmung beurteile.

A Clockwork Orange

Ich bin ein großer Fan von Stanley Kubrick. Seine Filme sind visuell beeindruckend, stimulieren den Intellekt und er scheut sich nicht vor Kontroversen und Konventionen. A Clockwork Orange ist hier keine Ausnahme: viele Leute waren geschockt von der Gewalt die der Film zeigt, dabei ist er bereits eine zahme Variante des Buches, in dem Alex noch viel schlimmere Dinge anstellt bis er schließlich im Gefängnis landet.

Es gibt ein paar Unterschiede zum Buch, wie z.B. das Ende, allerdings gibt es hier ebenfalls zwei verschiedene Auflagen und Kubrick hat nur die Version des US-Marktes gekannt. Welches Ende das bessere ist, ist mit Sicherheit eine Geschmacksfrage, beide haben auf jeden Fall ihre Berechtigung.

Was das Buch vom Film unterscheidet ist die verwendete Sprache. Anthony Burgess hat einen eigenen Slang entwickelt, den der Protagonist Alex, dessen Geschichte wir von ihm erzählt lesen, verwendet. Beim Lesen herauszufinden was die einzelnen Begriffe bedeuten lässt sich oftmals aus dem Kontext erschließen, so daß es zunächst ungewohnt erscheint, aber meinen Lesefluss, hat es nicht all zu sehr gehemmt. Gelesen habe ich es mit 16 auf Deutsch und vor ein paar Jahren noch ein mal auf Englisch, beide Male hat es mich sehr gefesselt.

Bewertung: Beide Versionen sind eine Horrorshow und gelten zurecht als Klassiker. Wem das Nadsat des Buches zu anstrengend ist, der kann bedenkenlos den Film sehen, in dem es auf ein Minimum reduziert wurde, und verliert dabei im Grunde genommen nicht viel. Der Geist des Buches wird hervorragend getroffen; da wo das Buch Alex von noch mehr Grausamkeiten berichten lässt, zeigt Kubrick verstörende Bilder seiner Taten. Wo man sich beim Lesen Beethovens Neunte vorstellen muss, haut uns der Film die Musik einfach laut und bombastisch in den Gehörgang. Der Stoff war bei Kubrick in den besten Händen und ist vielleicht ein wenig zugänglicher, deshalb hat der Film ganz leicht die Nase vorn.
(tl;dr: Film knapp vor Buch)

Fight Club

Nach dem ich Fight Club das ersten Mal gesehen hatte, habe ich mich selber wie durchgeprügelt gefühlt und mich sehr lange nicht getraut ihn ein zweites Mal zu sehen; so gewaltig war der Eindruck des Filmes.

Eine gute Bekannte aus Colorado, die ich in einem Forum in dem ich damals sehr aktiv war kennengelernt hatte, schickte mir dann im Rahmen eines Bücheraustausches Survivor von Chuck Palahniuk (ich schickte ihr im Gegenzug A Friend of the Earth von T.C.Boyle), welches ich mit Begeisterung las. Das Buch war voller wahnwitziger Ideen und verwendete ein Sprache die mich sofort in ihren Bann zog. Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, das der gleiche Autor für Fight Club verantwortlich war, wovon ich nicht wusste das es eine literarische Vorlage hatte.

Immer noch die Bilder des Filmes im Hinterkopf war ich neugierig wie es sich lesen würde und kaufte mir das Buch. Nachdem Lesen wollte ich den Film doch noch mal sehen. Mittlerweile habe ich sowohl den Film mehrfach gesehen als auch das Buch mehrfach gelesen. Der Film ist eine sehr gute Umsetzung des Stoffes und jede kleine Änderung gegenüber der Vorlage, wie z.B. die erste Begegnung mit Tyler Durden, aber auch das Ende sind absolut stimmig und im Sinne der Geschichte. Viele Passagen im Film sind eins zu eins aus der Vorlage übernommen und meines Erachtens nach perfekt umgesetzt.

Bewertung: Ganz klares Unentschieden; ich kann und möchte nicht das Eine über das Andere setzen.

Fleisch ist mein Gemüse

Fleisch ist mein Gemüse ist größtenteils brüllend komisch, hat aber auch immer wieder leise, traurige Zwischenstücke, wenn es um die Beziehung zwischen Heinz und seiner Mutter geht. Leider ist die Verfilmung größtenteils nicht sehr gelungen. Viele Szenen, die einem beim Lesen permanent Kichern oder auch mal grunzende Geräusche des Vergnügens entlocken, wirken auf Film plump und primitiv.

Bewertung: der Film ist Zeitverschwendung. Wem der Humor des Buches zusagt, sollte sich als Alternative zum selber lesen die Hörbuchfassung in der Heinz Strunk sein eigenes Buch vorträgt, zulegen.

Flowers for Algernon
Über meine Liebe zu diesem Buch habe ich bereits geschrieben. Vor kurzem habe ich die Verfilmung von 1968 gesehen, die Cliff Robertson für die Rolle des Charly Gordon einen Academy Award, sowie Stirling Silliphant einen Golden Globe für das beste Drehbuch einbrachte.

Um es kurz zu machen: der Film ist nicht besonders gut. Er ist zu lang, trifft den Ton der Vorlage nicht und lässt keinerlei Mitleid mit Charly aufkommen. In einer Szene kommt es fast zu einer Vergewaltigung von Miss Kinnian durch Charly und in der nächsten ist dann plötzlich seine Geliebte und ihr Verlobter vergessen. Viele Sequenzen aus dem Buch wurden komplett weg gelassen: die wiederkommenden Erinnerungen an seine Kindheit und Familie, die Suche nach seiner Familie, sowie seine Flucht nach New York. Alle Fragen die der Leser sich bei der Lektüre stellt und stellen soll kommen in der Verfilmung nicht auf. Das zieht sich durch bis zum Schluß, der es nicht ansatzweise schafft so sehr zu berühren, wie es die Vorlage tut.

Es gibt noch eine weitere Verfilmung aus dem Jahre 2000 mit Matthew Modine in der Titelrolle, aber die anzuschauen habe ich keine 5 Minuten ausgehalten. Das Darstellen von Menschen mit geistiger Behinderung ist wahnsinnig schwierig und kontrovers. Auch die von Cliff Robertson empfinde ich als teilweise sehr klischeehaft, aber sie ist nicht ansatzweise so zum fremdschämen wie das was Matthew Modine macht.

Bewertung: Das Buch gewinnt.

Lord of the Rings
Einleitend sei gesagt, das sich meine Bewertung der Filme bswohl auf die Kino, als auch extended Version der DVDs bezieht.

Insgesamt halte ich die Herr der Ringe-Trilogie von Peter Jackson nur für teilweise gelungen. Sehr umstritten bei vielen Tolkien-Fans war das Weglassen der Begegnung mit Tom Bombadil. Ich wiederum finde: sie ist nicht wichtig für die gesamte Geschichte, sie sagt etwas über den Ring aus und über die Mythologie der Welt aus, für die Queste Frodos ist sie absolut irrelevant und konnte daher gut weggelassen werden.

Generell halte ich Fellowship of the Ring für den einzig sehr guten Teil der Trilogie. Die Umsetzung ist sehr stimmig und die extended Version sorgt dafür das sie noch sehenswerter wird. Ab The Two Towers beginnt es dann langsam langatmig zu werden, außerdem werden die Motivationen und Handlungen von Faramir erst durch die extended Version nachvollziehbar und logisch. Ohne die in der längeren Fassung enthaltenen Erläuterungen ist er einfach nur ein Unsympath.

Der letzte Teil der Trilogie, Return of the King, ist mit seinem ellenlangen Epilog dann nur noch eine Zumutung. Als ich ihn im Kino gesehen habe, habe ich mich dabei ertappt wie ich mehrfach auf die Uhr geguckt und den Abspann herbeigesehnt habe. Hier hätte ich lieber die Rückkehr ins Auenland samt Befreiung von der Knechtschaft Sarumans und Grimas gesehen, als den öden, möchtegern epischen Kitsch der uns von Peter Jackson aufgetischt wurde. Da dieser im ersten Teil der Trilogie beim Blick in Galadriels Spiegel angedeutet wurde, war es sehr enttäuschend, das es nur eine imaginäre Zukunft war, die Sam dort erblickt hat.

Es gibt vieles, was diese Verfilmung richtig macht: die Atmosphäre, die Landschaften, die Darsteller, wie hier mit forced Perspective gearbeitet wurde. Aber sie sind nicht die übergroße Offenbarung in Sachen Fantasyfilm zu der sie von Vielen erklärt werden.

Ich weiß von vielen Leuten, das sie Probleme mit Tolkiens Landschaftsbeschreibungen hatten, mir wiederum haben diese sehr gefallen und die Bücher wurden von mir sehr schnell mit Begeisterung durchgelesen.

Bewertung: Die Bücher sind besser.

Misery
Stephen King gehört zu den Schriftstellern der Gegenwart die ich sehr viel in meiner Jugend gelesen habe. Eines Tages kam dann der Punkt an dem mir seine Geschichten zu langatmig und die Charaktere alle zu gleich wurden. Im Kern haben die meisten seiner Bücher eine gute Idee, die allerdings oftmals zu sehr breit getreten wurde. Auch die Prämisse von Misery (ein schönes Wortspiel im englischen Original, das beim deutscher Titel Sie, der wohl nur gewählt wurde, weil es der Folgeroman zu Es war, verloren geht) ist im Grunde genommen simpel: ein Schriftsteller, der gerade den letzten Roman seiner erfolgreichsten Reihe zu ende geschrieben hat, hat während schweren Schneetreibems einen Autounfall im Nirgendwo. Er wird von der Krankenschwester Annie aus dem Wrack befreit und in ihrem Haus gesund gepflegt. Sie berichtet ihm, das sie sein “größter Fan” ist und freut sich darüber ihrem Idol viele Fragen stellen zu können. Als sie das Skript zu dem abschließender Roman seiner erfolgreichen Reihe liest, wendet sich das Blatt und eine Tour de Force beginnt.

Das Buch zu lesen war auf den ersten Seiten eine Qual, es dauert eine Weile bis die eigentliche Geschichte beginnt. Hinzu kommt das Buch im Buch, das ich als uninteressant empfunden habe. Der Film macht das alles besser,außerdem ist Kathy Bates als Annie Wilkes wirklich beeindruckend soziopathisch.

Bewertung: Der Film ist besser.

Romeo and Juliet

Klassischer Stoff von Shakespeare in der Verfilmung von Baz Luhrmann. Ich denke, ich muss nicht viele Worte über das Theaterstück, noch über den Film verlieren. Der Film ist großartig inszeniert, gut besetzt und der Stoff exzellent in das moderne Setting transportiert worden. So schafft man es Jugendliche zu animieren sich mich mit dem Barden der Barden auseinanderzusetzen.

Bewertung: Unentschieden.

V for Vendetta
Das Alan Moore sich von den Verfilmungen seiner Bücher distanziert hat bei ihm mittlerweile Tradition un auch V for Vendetta ist keine Ausnahme. Während ich seine Begründung nachvollziehen kann, verstehe ich sie nicht unbedingt. Die Verfilmung hat sich ein paar Freiheiten herausgenommen, so daß es keine exakte Verfilmung mehr ist, ich finde aber die Anpassungen teilweise durchaus legitim. Die Comics entstanden in der Ära Thatchers und wurde dadurch geprägt, um die darin geäußerten Aussagen zu verstehen, muss man sich zumindest grob mit der Zeit auskennen. Um als Film zufunktionieren und ein größeres Publikum anzusprechen, würde daraus kurzerhand ein faschistisches System das an das orwellsche 1984 erinnert.
Im Großen und Ganzen halte ich V for Vendetta für eine Film der in sich funktioniert und in dem man die Vorlage immer noch an viele Stellen wiederfinden kann.

Der Comic wiederum spielt in einer anderen Liga. Wer sich für Graphic Novels interessiert kommt an Alan Moore und V for Vendetta nicht vorbei, s. auch Watchmen. Die Bilder mögen anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber sie passen zu der Atmosphere und die Sprache bedient sich vieler klassischer Motive. Es ist beeindrucken wie viele Wörter mit V Alan Moore hier untergebracht hat. Ich vermute alle.

Bewertung: Die Graphic Novel liegt knapp vorne.

The Virgin Suicides
Auch bei The Virgin Suicides kannte ich den Film bevor ich das Buch gelesen habe. Es ist eine wunderbar melancholische coming of age Geschichte, mit einem zauberhaften Soundtrack der französischen Band Air, die die Stimmung der Geschichte perfekt musikalisch untermalt. Sowohl Buch als auch Film sind absolut empfehlenswert.

Bewertung: Unentschieden. Die Verfilmung des Stoffes ist perfekt.

Watchmen
Alan Moore zum zweiten. Watchmen. Der Abgesang auf alle Superhelden. Ein Meilenstein der Comic-Geschichte, von Terry Gilliam selbst als unverfilmbar bezeichnet. Und dann kam Zack Snyder und produzierte ein Monster von einem Film. Dabei macht er auch einiges richtig: die Cast ist super, die Atmosphäre ebenfalls und viele Szenen wurden exakt den Panels aus der Vorlage nachgestellt. Die Titelsequenz ist wahrscheinlich eine der besten, die ich je gesehen habe und böse Zungen behaupten sie wäre auch das beste am ganzen Film. Besonders kritisiert wurde das Ändern des Schluß, wobei ich diesen Unterschied zum Comic gar nicht mal besonders schlecht finde. Ich kann nachvollziehen weswegen man sich für ein anderes Ende entschieden hat und fand dieses im Rahmen des Filmes auch stimmig. Aber das ändert nichts daran, das ich den Film teilweise etwas langatmig fand.

Bewertung: Der Comic gewinnt.

Fazit

Gewinner Buch: 5
Gewinner Film: 2
Unentschieden: 3

Stimmt ihr mir zu? Widersprecht ihr mir? Kommentare sind wie immer sehr willkommen!

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