Was von der Marketingabteilung gewünscht gerne das lauteste Nordderby aller Zeiten sein sollte, war bis zur 82.Minute eher das leiseste und vor allem langweiligste aller Zeiten, um sich dann schließlich zum wahrscheinlich lustigsten zu wandeln. Im großen und ganzen war es dennoch kein gutes Spiel und hätte auch torlos enden können. Aber zwei Spieler im Wesertrikot hatten was dagegen und so erzielte der HSV erstmals in dieser Saison zwei Tore und konnte den zweiten Heimsieg in Folge ohne Gegentreffer feiern – DERBYSIEGER ist einfach ein köstliches Wort, das auf den Lippen wie feinster Whisky aus schottischen Landen schmeckt.
Ich persönlich empfinde den Sieg auch nicht als unverdient, die Rothosen waren das spielbestimmende Team, haben aber nach wie vor das Problem das zu wenig zwingende Chancen erspielt werden. Ich habe zwar durchaus den einen oder anderen schönen Spielzug gesehen, aber zu oft wird der richtige Pass zum falschen Moment gespielt oder aber Lasogga müsste quasi auf sich selber flanken und das kann er nicht nur aus physikalischen Gründen nicht, es gehört auch nicht zu seinen Stärken.
Auf der anderen Seite habe ich mal wieder eine einigermaßen stabile Abwehr gesehen, alle Chancen der Weser entstanden aus Kontersituationen oder Standards, welche allerdings immer brandgefährlich waren. Doch dank Drobo, der aktuell in einer konstant guten Verfassung ist (etwas was Adler zuletzt leider oft vermissen ließ), blieb der Kasten sauber und die Null stand. Unmittelbar vor dem Tschechen machte auch unsere Abwehr einen guten Job, sowohl Westermann als auch Djourou wieder mit einer guten Leistung. Wobei HW4 aber auch mit etwas Milde Zwayers 90 Minuten durchgespielt hat, über eine Gelb-Rote hätte er sich nicht beschweren dürfen.
Im Mittelfeld kamen Holtby als auch Müller kaum zur Geltung, dafür muß man Mohamed Gouaida loben – ein wirklich gutes Debüt des Jungen.
Mehr gibt es zu dem Spiel selbst eigentlich nicht zu sagen. Na gut, dies noch zur Lautstärke: in 25A haben die Jungs und Mädels von Poptown gefehlt. Es soll beim S-Bahnhof Diebsteich zu Auseinandersetzungen mit Weser-Fans und der Staatsmacht gekommen und im Zuge dessen zu mehreren Verhaftungen gekommen sein, woraufhin man dem Spiel fernblieb. Auch ein Grund ein mal mehr darauf hinzuweisen, daß es ohne Ultras schwer ist einen vernünftigen Support hinzukriegen; gewaltsame Übergriffe auf Fans sind allerdings genauso bescheuert. Das einzige was längerfristig durch das Rund hallte waren die üblichen Schmähgesänge, die auf den vermuteten Beruf der Mütter der Gäste hinweisen, bzw. irgendetwas mit Exkrement und dem Namen des Klubs gegen den der HSV gespielt hat. Andere Gesänge hatten keine Chance und verstummten oftmals schon während der ersten Wiederholung. Es würde mich nicht wundern wenn man im Fernsehen bis zum 1:0 nur die Gäste gehört hat.
Und sonst so?
Ein bißchen meckern muß sein und gerade die oben erwähnte Polizei ist hier mal wieder ein prima Opfer: mit großem Erstaunen habe ich vor Betreten der S-Bahn meines Vertrauens eine Durchsage vernommen, die ich zu vor noch nie gehört habe. Sie lautete (Gedächtnisprotokoll)
“Sehr geehrte Fahrgäste bitte beachten sie das das Konsumieren und Mitführen von alkoholischen Getränken, pyrotechnischen Gegenständen sowie Glasflaschen in den Zügen nicht gestattet ist”
Musste ich zu Beginn der Ansage noch schmunzeln, so kamen doch sehr schnell Zornesfalten hinzu. Glasflaschen? Das es ein Alkoholverbot gibt – geschenkt. Pyrotechnische Gegenstände? Na gut, hat man normalerweise ja eh nicht dabei. Aber Glasflaschen? Das war mir neu. Es stellte sich dank Twitter schnell heraus, das dies eine Anordnung der Polizei speziell für diesen Tag war. Strafgebühren von 250 € drohte jedem der sich dieser Anordnung widersetzte.
@nurdertim Gibt heute Sonderregelungen. 250 € Strafe sind angedroht.
— Steffen (@S666HB) 23. November 2014
Bei allen Verständnis für Sicherheitsvorkehrungen, empfinde ich diese als einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und höchst fragwürdig. Mit so einer Anordnung wird kurzer hand JEDER Fahrgast des HVVs kriminalisiert, nur weil er vielleicht gerade eine Limonade oder Cola trinkt. Hinzu kommt das dies mangelhaft bis gar nicht kommuniziert wurde. Ich weiß lediglich von der Webseite der Weser auf der dies den Auswärtsfahrern mitgeteilt wurde, beim HSV war davon nichts zu lesen.
@nurdertim http://t.co/eeEtCfk95k Hier wurde es z.B. veröffentlicht.
— Steffen (@S666HB) 23. November 2014
Auch beim HVV oder der S-Bahn hielt es offenbar niemand für notwendig im Vorfeld darauf hinzuweisen; es wird ja wohl auch keine spontane Idee der Polizei gewesen sein. Gestern fand übrigens zeitgleich ein Spiel der Freezers statt. Deren Fans und Auswärtsgäste hat man bestimmt auch nicht davon in Kenntnis gesetzt.
Diese Anordnung gibt es nur damit sich die Polizei hinterher schulterklopfend hinstellen und sagen kann “Unsere Maßnahmen haben entscheidend zu einem friedlichen Verlauf des Nordderbys beigetragen.” – Pfui. Schämt euch!
