nurderTim » Fantasy Filmfest Nights https://nurdertim.de Fri, 01 Nov 2013 09:20:40 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v= Tim guckt: Fantasy Filmfest Nights – Painless https://nurdertim.de/?p=455 https://nurdertim.de/?p=455#comments Mon, 25 Mar 2013 15:34:09 +0000 der_tim https://nurdertim.de/?p=455 read more]]> Eines vorne weg: Insensibles (engl. Titel: Painless) ist genau die Art Film, wegen dem man zum Fantasy Filmfest geht. Zu schade, daß es Probleme mit der Tonspur und den Untertiteln gab – sie liefen nach wenigen Momenten asynchron zum Film – so daß der Projektor in regelmäßigen Abständen kurz aus- und dann wieder eingeschaltet werden musste. Dies schmälerte zwar das Sehen ein wenig, änderte aber dennoch nichts an der Qualität des Filmes.

Kurz zum Inhalt – der Film besteht aus zwei Zeitebenen die mit einander verbunden sind:

Die Vergangenheit, das Jahr 1931: In einem katalanischen Dorf gibt es eine handvoll Kinder, die alle eine seltsame Krankheit verbindet – sie sind nicht in der Lage körperliche Schmerzen zu empfinden. Da man sie als Gefahr für die Gesellschaft sieht werden sie in einer einsamen Anstalt in den Bergen weggesperrt. Zunächst scheinen sich die Bedingungen etwas zu bessern, als während des Bürgerkriegs Professor Holzmann, ein aus Deutschland geflohener Jude, in das Institut kommt und nach einem Heilmittel sucht. Doch dann putschen die Faschisten um Franco und die Lage in Spanien ändert sich erneut.

Die Gegenwart: bei David, einem Arzt, wird nach einem Autounfall festgestellt, daß er an Lymphknotenkrebs erkrankt ist. Eine Knochenmarktransplantation könnte ihm das Leben retten, doch seine Eltern müssen ihm leider mitteilen, das sie als Spender nicht in Frage kommen. Die Suche nach seiner biologischen Mutter wird auch eine Ausandersetzung mit der Historie Spaniens.

Es ist nicht verwunderlich, daß die phantastischen Filme Spaniens sich gerne mit dem Faschismus unter Franco auseinandersetzen. Denn man darf nicht vergessen, daß die franquistische Diktatur ein Teil der jüngeren Geschichte Spaniens ist. 1975 starb der Diktator, doch die Demokratisierung lief zunächst langsam an. 1977 wurde ein Amnestiegesetz erlassen, daß Straffreiheit für alle vor 1977 begangenen politischen Taten garantiert. Noch immer sind Richter und Anwälte aktiv, die damals einen Eid auf Franco geschworen haben. Opfer und Täter der damaligen Zeit sind noch am Leben und viele Familien dürften ihre Geheimnisse haben, die sie nicht an ihre Kinder und Enkel weitergeben wollen bis die Generationen, die etwas erzählen können ausgestorben sind.

Auf dieses Thema in seiner Gänze einzugehen würde zu weit führen – es lohnt sich aber ein wenig danach zu googlen und sich ein bißchen einzulesen – doch dieses Basiswissen sollte genügen, um den spanischen Film zu verstehen.

“Schmerz ist das Gegenteil von Freude”. heißt es an einer Stelle im Film; dies ist ein zentrales Thema, daß immer wieder aufgegriffen wird und sich bis zum Ende des Filmes durchzieht; sei es der physische oder der seelische Schmerz von dem man sich Erlösung hofft. Entweder direkt als Mensch oder – etwas abstrakter- als Nation, die seine Geschichte nicht vernünftig aufarbeiten kann.

SPOILERWARNUNG (Text ist in weiß)

Man könnte dem Film vorwerfen, das der ursprüngliche Gedanke der Kinder, die kein Schmerzempfinden haben, fast zu einer Art McGuffin verkommt, da primär nur die Geschichte von Benigno/Berkano erzählt wird um die Unmenschlichkeit des Faschismus darzustellen. Aber er stand eigentlich von Anfang im Fokus der Geschichte, da er die Verbindung zu David darstellt. Von daher finde ich es zu verschmerzen, daß nicht näher auf diesen Aspekt eingegangen wird.

SPOILERENDE

Ich habe am Sonntag noch lange über den Film nachgedacht, er berührt und fasziniert. Ich wünsche mir sehr, daß die kommende DVD/Blu-Ray einen Audiokommentar enthält, denn ich glaube der Regisseur hat viel zu sagen.

Denn auch wenn man anhand der Beschreibung und während des Sehens glaubt zu wissen worauf es hinausläuft, so weist der Film dennoch genügend kleine Wendungen auf und fesselt den Betrachter bis Schluß.

Wie eingangs erwähnt: Insensibles ist genau die Art Film, wegen dem man zum Fantasy Filmfest geht. Großes Kino, das leider auch nicht zum Mainstream taugt, von dem man sich aber wünscht zumindest bei Arte mal eine Ausstrahlung zu erhalten.

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Tim guckt: Fantasy Filmfest Nights – Stoker https://nurdertim.de/?p=453 https://nurdertim.de/?p=453#comments Sat, 23 Mar 2013 23:10:54 +0000 der_tim https://nurdertim.de/?p=453 read more]]> Der südkoreanische Regisseur Chan-wook Park, dessen bekanntester Film Oldboy sein dürfte, hat seinen ersten großen Hollywood-Film gedreht – Stoker.

Die Prämisse des Filmes ist schnell erzählt und klingt auf den ersten Blick nicht besonders neu oder originell: nachdem Indias Vater bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, tritt sein Bruder Charlie in ihr Leben und das ihrer Mutter Evie. Evie ist sofort von Charlie begeistert, India hat nur Verachtung für beide übrig.

Aus dieser Ausgangssituation entspinnt sich ein in wunderschönen Bildern erzählter Film, der in seiner Spannung an den Großmeister des Thrillers, an Alfred Hitchcock erinnert; Hitchcock wird sogar zitiert.

Stoker ist ein Film, auf den man sich dennoch einlassen muß. Es gibt lange, ruhige Einstellungen. Eine leicht morbide, subtile Bedrohung liegt ständig in der Luft. Die wenigen gesprochenen Worte hängen in der Luft und werden in den besseren Momenten von Symbolik sanft umschmeichelt, bisweilen aber auch etwas brutal in das Gesicht des Betrachters geschleudert. Chan-wook Park nimmt sich Zeit die Geschichte bis zur ihrer Auflösung zu erzählen, aber durch die tollen Kamerafahrten und der wirklich großartigen darstellerischen Leistung der drei Hauptakteure (Matthew Goode, Mia Wasikowska, Nicole Kidman) wird der Film niemals langweilig oder -atmig.

Leute mit Konzentrationsschwäche sollten sich Stoker vielleicht nicht angucken, alle anderen kriegen eine tollen old-school Thriller zu sehen, der nicht zum Mainstream taugt.

Ab. 9.Mai läuft Stoker ganz regulär im Kino.

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